Die neuesten Veröffentlichungen der JIM-Studie 2025 zeigen deutlich, dass die Mediennutzung in der Freizeit von Jugendlichen (und Erwachsenen) rasant zunimmt. Der Übergang zwischen „online“ und „offline“ ist dabei oftmals fließend und geschieht häufig unbewusst. Die Forderung, soziale Medien erst ab einem Mindestalter von 16 Jahren zuzulassen, um Jugendliche besser zu schützen, wird unter anderem vom EU-Parlament thematisiert und derzeit kontrovers diskutiert.
Videos streamen, Musik hören und parallel Nachrichten am Handy schreiben – multitaskingfähig? Ja. Gesund? Nein! Wo beginnt ein selbstbestimmter und bewusster Umgang mit digitalen Medien und ab wann spricht man von einem „Überkonsum“? Wann vergessen wir die Zeit und wofür nutzen wir die digitalen Medien sinnvoll?
Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung sowie der zunehmenden allgemeinen Mediennutzung kamen die Medienscouts des Lessing-Gymnasiums, betreut von Frau Salzmann und Frau Kock, am Freitag, den 30.01.2026, im Rahmen eines informativen Vortrags mit einem ehemaligen Mediensuchtpatienten sowie seiner damaligen Therapeutin in Kontakt.
Der junge Mann berichtete offen von seinen persönlichen Erfahrungen mit seinem Medienkonsum. Er schilderte, wie seine Mediensucht bereits im Grundschulalter schleichend begann, sich während seiner Schulzeit intensivierte, sich im Studium verlagerte und schließlich ihren Höhepunkt erreichte. Zunächst weckten Nintendo-Spiele sein Interesse, im Laufe der Zeit nahmen die Smartphone- und PC-Nutzung stetig zu. Gaming rückte immer stärker in den Fokus und wurde durch den Konsum von Videos, beispielsweise über YouTube, ergänzt. Medienaktivitäten fanden dabei häufig heimlich und versteckt, etwa nachts, statt. Medien boten einen scheinbaren Ausweg aus dem Alltag – auch vor dem Lernen.
Ein unbemerkter Rückzug aus dem sozialen Umfeld, Müdigkeit, Schlafentzug sowie Ausflüchte und das Ignorieren des Problems wurden zu ständigen Begleitern. Erst als Student erkannte der junge Mann, dass sein Leben aus dem Ruder geraten war, und wagte den schweren Schritt, sich selbst einzugestehen, dass er Hilfe benötigte, um seine Lebensziele weiterverfolgen zu können. Zu diesem Zeitpunkt war er nicht mehr in der Lage zu studieren, sozial isolierter und beschränkte seinen Alltag – neben dem exzessiven Medienkonsum – auf notwendige Lebensmitteleinkäufe. Durch einen starken Willen, intensive Selbstreflexion, eine unterstützende Familie, verständnisvolle Freunde und die Begleitung seiner Therapeutin fand er schließlich den Weg aus der Mediensucht. Diese bleibt zwar ein ständiger Begleiter, dennoch machte der Student deutlich, dass er heute glücklich ist und mithilfe klarer Strukturen, bewusster Vorgehensweisen und mit seinem erworbenen Wissen gut durch seinen Alltag kommt – auch mit gezielter Mediennutzung. Ein stabiles soziales Umfeld, neue Hobbys und Selbstachtsamkeit bilden dabei die drei zentralen Säulen, die ihm helfen, seine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.
Im Anschluss an den authentischen und reflektierten Vortrag nutzten die Medienscouts die Gelegenheit, zahlreiche Fragen zu stellen. Dabei wurde nicht nur aufgezeigt, wie Betroffene unterstützt werden können, sondern auch, wie das Umfeld angemessen reagieren kann und welche Präventions- und Hilfsangebote existieren. Hilfe zu holen gilt dabei ausdrücklich als Stärke.
Thematisiert wurden außerdem das künftig am Lessing-Gymnasium geplante handyfreie Schulgelände sowie die Möglichkeiten, das Thema Mediensucht verstärkt in die Medienscout-Stunden einzubinden. Der Ausbau dieses Themenbereichs stellt einen nächsten wichtigen Schritt in der Arbeit der Medienscouts dar.
Der Austausch machte deutlich, wie wichtig Aufklärung, Offenheit und frühzeitige Unterstützung im Umgang mit digitalen Medien sind und dass wir alle davon betroffen sind.
Ein besonderer Dank gilt dem ehemaligen Mediensuchtpatienten sowie seiner damaligen Therapeutin für die vielseitigen und eindrucksvollen Einblicke, die sie uns ermöglicht haben.
Organisation und Durchführung: H. Kock und D. Salzmann
Text und Fotos: H. Kock
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