Ein Teil der Erinnerungskultur am Lessing
Emotional, gewaltig, unfassbar, sprachlos. Mit diesen Worten lässt sich vielleicht in Ansätzen beschreiben, was wir während der dreitägigen Gedenkstättenfahrt nach Buchenwald erfahren und erlebt haben.
Mit Unterstützung der Jakob-Kaiser-Stiftung konnten wir vom 29.06 – 01.07.2026 drei Tage in Weimar, Erfurt und der Gedenkstätte Buchenwald verbringen. Wie ein Puzzle fügten sich im Laufe der drei Tage die einzelnen Bausteine des Programms zusammen. Rüttelten uns auf. Das, was wir z.T. schon wussten, wurde neu sortiert, verschoben, erschien auf einmal anders. Neue Teile kamen dazu, fügten sich ein und machten uns sprachlos.
Ein Spannungsbogen von der überall in Weimar sichtbaren zivilen Zwangsarbeit durch eine inklusive Führung der Lebenshilfe über eine ergreifende Führung bei Topf und Söhne hin zum Besuch der Gedenkstätte in Buchenwald. Alles irgendwie neu sortiert und verschoben, noch unfassbarer vielleicht als vorher, weil das Ausmaß der Verbrechen an der Menschlichkeit durch das NS-Regime so greifbar wurde.
Weimar: Zwangsarbeit in Familien, in Betrieben, bei der Post. Einfach überall. „Wir haben das nicht gewusst?“ Falsch: Seite an Seite. Mit dem öffentlichen Bus zur Arbeit auf dem Ettersberg fahren, zur Fabrik, Munition zusammenbauen, gemeinsam mit Zwangsarbeitern gegen deren Familien sie an der Front eingesetzt wurde.
Erfurt, Topf und Söhne: Erst wenige Mitarbeitenden, dann ein weltweit erfolgreiches, riesiges Unternehmen. Erst Zubehör zum Bierbrauen, Töpfe und Pfannen. Dann Öfen für die Kadaverentsorgung. Dann Vernichtungsöfen für Auschwitz. Für 2 %. Warum? Geldgier, Angst, Überzeugung, Angepasstheit? Schreibtisch mit dem Blick auf den Ettersberg, auf den Schornstein. Freude am eigenen, schrecklichen Werk? Unfassbar! Aschebehälter, Effektenberg. Alles geplant, bis ins Detail. Gezeichnet, verbessert, die perverse Maschinerie perfektioniert. Nicht belangt. Für 2 %?!
Buchenwald: Etwas abgelegen, 10 km von Weimar. Mit dem öffentlichen Bus 45 min vom Hotel. Auf einem gerodeten Berg, sichtbar. Nordseite, zugig. Dem Wetter schonungslos ausgesetzt. 60 Baracken, 60 000 Häftlinge, riesige Effektenkammer, Stacheldraht, Wachtürme, Krematorium, Leichenkeller. Direkt daneben Villenstraße für die SS, ein Zoo, ein Bordell. Daneben eine als Arztzimmer getarnte Genickschussanlage. Warum? Unfassbare Unmenschlichkeit überall. In jedem Stein. Zermahlen.
Das sind Eindrücke, die uns während unserer Fahrt beschäftigt haben, uns durch den Kopf gegangen sind und nachhallen. Das Ausmaß der Planung dieses unvergleichlichen Verbrechens an der Menschlichkeit blitzt immer wieder auf und lässt sich dennoch nicht begreifen. Sprachlosigkeit.
Die Gedenkstättenfahrt ist ein Baustein der sich am Lessing-Gymnasium entwickelnden Erinnerungskultur. In diesem Sinne, wollen wir dem Erlebten Ausdruck verleihen und haben unsere Gedanken und Gefühle in der Projektwoche kreativ verarbeitet.
Die empfundene Sprachlosigkeit darf nicht das „letzte Wort haben“. Wir wollen mit der Schulgemeinde ins Gespräch kommen, erinnern und nicht vergessen, ein Zeichen gegen Ausgrenzung jeglicher Art setzen und für die Demokratie. Hier bei uns! Am Lessing! Überall!
Nie mehr ist jetzt! #weremember
Planung und Durchführung: Nele Scheidgen und Cathrin Stoffregen
Text: Nele Scheidgen
Bilder: Lukas W., Amina G, Lina S. und Cathrin Stoffregen

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